Spiritualität des Sterbens in der christlichen Tradition

Vortrag: „End-lich leben, Christliche Sterbekunst heute“

Am Dienstag, 1. April 2014 referierte Dr. Michael Rosenberger, Moraltheologe von der Theologischen Universität in Linz über die christliche Tradition der Sterbekunst „ars moriendi“. Sehr anschaulich erklärte Dr. Rosenberger, dass die Kunst sich auf das Sterben vorzubereiten eigentlich Lebenskunst ist: „Wie möchte ich leben angesichts der Tatsache, dass ich einmal sterben muss?“ Wenn wir den Tod ernst nehmen, müssen wir sinnerfüllt leben. Die Sterbekunst ist daher sehr erdverbunden und zeigt uns welche Grundhaltungen im Leben uns helfen die Kunst des Sterbens einzuüben. Diese Grundhaltungen sind: Maßhaltung als Selbstbegrenzung, Demut als positive Haltung, Dankbarkeit, Gelassenheit, und Genussfähigkeit (die Gegenwart intensiv  erleben).

 

In der spirituellen Tradition der Kirche gibt es einen reichen Schatz an Möglichkeiten, sich schon mitten im aktiven und gesunden Leben auf das Sterben vorzubereiten. Die „Ars moriendi“, die Sterbekunst, ist ein Weg, die eigenen Grenzen nüchtern und zugleich lebensbejahend in den Blick zu nehmen und eine tiefe Lebenslust zu lernen. Prof. Rosenberger hat bei diesem Vortrag  anhand unserer Leistungsgesellschaft, die den Tod weit von sich schiebt und als notwendiges Übel betrachtet, aufgezeigt, wie wichtig es für uns Menschen ist dem Leben Sinn zu geben. Hat das Leben Sinn auch ohne Auferstehungsgedanken? Hat der Tod Sinn? Der Tod bringt dem Menschen das Leben, ohne diese „Begrenzung“ wäre das Leben nicht ganz. Sich mit seiner Sterblichkeit auseinanderzusetzen bringt Ziele, Werte, die jeder für sich bestimmen kann. Anhand dieser „Lebens-Kunst“ hat der Mensch die Möglichkeit sich ein Leben der Lebensbejahung zu gestalten. Die Gelassenheit zum Tod als innere Freiheit zu erfahren kann Entspannung ins Leben bringen.

Prof. Rosenberger hat seinen Vortrag mit einem irischen Sprichwort beendet:

„Willst du im Tod gesegnet sein, musst du lernen zu leben.
Willst du im Leben gesegnet sein, musst du lernen zu sterben.“

 

Auch die klassischen Formen der Sterbekunst wie das Gebet um eine gute Sterbestunde und die Betrachtung des Kreuzweges wurden ausführlich besprochen. In der Liturgie findet sich die Vorbereitung aufs Sterben vor allem bei der Taufe (auftauchen zum neuen leben), am Aschermittwoch und am Karfreitag. Zum Schluss erklärte Dr. Rosenberger uns noch was ein geistliches Testament ist. Der Abend war sehr inspirierend und motivierend für ein AUFMERKSAMES und DANKBARES LEBEN im HIER und JETZT.