FILM- & DISKUSSIONSABEND IM PFARRSAAL ST.STEPHAN, AMSTETTEN

Filme als Aufforderung zur Diskussion: es wurden die Filme: „Die Kunst zu trauern“ (BRD 1997) und der Film über Armin Kogler „Sein größter Sieg“(ORF 2007) als Diskussionsgrundlage gezeigt.

Dieser Dokumentationsfilm zeigt 3 verschiedene Todesfälle aus verschiedenen Kulturen: wie gehen die Betroffenen damit um?

  • Irfan Ö., Muslime; sein Sohn kommt 1995 bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben.

Im Zimmer des Sohnes ist die Zeit stehen geblieben. Es sieht darin noch genauso aus wie Mesut dieses am Tag vor dem Unfall verlassen hat. Die Familie würde das Grab gerne öfters besuchen, doch es ist im Heimatdorf ganz hinten in der Osttürkei.

Seine Frau wollte nach dem Unfall weg, nur weg, doch „vor der Erinnerung kannst du nicht weglaufen“.

Mohamed sagt, dass die Trauerzeit drei Tage beträgt. Doch bei einem Kind schafft man das nicht…. Nur das regelmäßige Gebet, fünfmal am Tag, lässt alle weltlichen Probleme verschwinden. Wir kommen von Allah und kehren wieder zurück. Die Hoffnung einander in einer anderen Welt wieder zu sehen, trägt.

  • Rolf B., Christ; seine Frau starb nach langer Krankheit.

In den ersten Tagen war es ein Desaster von Gedanken, schrecklich würgende Trauer und eine unbändige Sehnsucht des Nachspürens überkam ihn.

Die „bessere Hälfte“ wurde ihm entrissen. Gelebt, geliebt, erkrankt, gekämpft, gehofft und doch verloren. Schuldgefühle machten sich breit, wie oft hat er sie nicht verstanden? Was würde er geben, dass das Haus voll falsch ausgedruckter Zahnpasta Tuben wäre und seine Martha säße mitten drin.

Sie ist gestorben, nicht tot. Sie lebt in all den Dingen in seiner Wohnung. Die Erinnerung speist seine tiefe Trauer.

Nach drei Monaten eine Annonce: Gesprächsrunde für trauernde Männer. Plötzlich kommt ihm in den Sinn: „Ich bin ja auch einer!“ Es war tröstend für ihn, dass es den anderen Männern genauso ging wie ihm.

 

  • Khalid H., Jude; seine Mutter starb.

Bei den Juden gibt es eine bestimmte Trauervorschrift für nahe Verwandte, besonders aber für die Eltern. Die ersten sieben Tage sitzt man auf der Erde, keine Rasur, keine Feste, keine opulenten Mahlzeiten, man konzentriert sich ausschließlich auf das Gedächtnis an den oder die Verstorbenen. Es ist Pflicht der Nachbarn, den Trauernden sieben Tage lang mit Speis und Trank zu versorgen, also ihn mit seiner Trauer nicht alleine zu lassen.

Die Bindung zum toten Elternteil wird aufrecht gehalten. Wenn man das Grab besucht, wird ein Stein auf den Grabstein gelegt um sichtbar zu zeigen, dass wer da war.

In der nachfolgenden Diskussionsrunde zeigte sich eine gewisse Betroffenheit. Jedes Volk und jede Religion hat ihre Form ihre Toten zu betrauern und zu bestatten. Es gilt diese zu würdigen. Allgemein berührt hat die Szeneneinstellung indem drei Gedenktafeln verschiedenster Glaubensrichtungen an einem Unfallort am Straßenrand zu sehen waren.

Anders und doch Eins?

 

Der 2. Film: Armin Kogler „Sein größter Sieg“

Am 18.Februar 2007 erfährt  Armin Kogler die für ihn lebensverändernde Nachricht, Hodenkrebs. Dieser Film zeigt den Verlauf seiner Chemotherapie. Wie ihn seine Frau und seine beiden Töchter in dieser schweren Zeit begleiten und seine Körperlichkeit und Psyche im höchsten Maß gefordert sind.

Armin, der scheinbar in seinem Leben alles erreicht hat, ein glückliches Leben führt, wird an seine wahren Grenzen geführt. „Ein geschundener Körper. Du fühlst dich von Tag zu Tag schwächer. Die Disziplinierung deines Körpers ist die eine Seite der Medaille, auf der anderen steht das, woran man nur glauben kann. Trotz Unterstützung der Familie ist man total auf sich alleine gestellt.“

Armin Kogler hat diesen Film veröffentlicht um Menschen, die in ähnlichen Situationen sind, Mut zu machen. Seine wichtigste Botschaft ist: „Der harte, steinige Weg ist schaffbar!“

Diskussion

Die Aussage: „der Weg ist schaffbar“ hat einige Gemüter aufgewirbelt.

„Was ist mit denen, die es nicht geschafft haben? Wenn es immer nach oben geht, kommt dann unweigerlich der Fall? Diese gute ärztliche und therapeutische Betreuung ist die für jeden da?“ Doch auch die positive Kraft aus dem Film wurde sehr deutlich empfangen.

Die Filme wurden überaus positiv als Diskussionsgrundlage angenommen!