Spiritualität des Sterbens: Tibetische Medizin

Vortrag: Am 7.5.2014 gab Dr. med. Florian Ploberger uns sehr interessante Einblicke in die tibetische Spiritualität. Das System der Tibetischen Medizin ist eng mit dem Buddhismus verbunden. Der Buddhismus sieht Leben und Tod als eine Einheit, wobei der Tod der Beginn eines neuen Kapitels des Lebens ist. Der Tod ist der Spiegel worin der ganze Sinn des Lebens reflektiert wird.

Aus tibetischer Sicht ist das Leben leidvoll und sind die Ursachen des Leidens Begehren, Abneigung (negatives Begehren) und Unwissenheit (woraus Gier, Hass und Verblendung entsteht). Durch das Erlöschen der Ursachen erlischt allerdings das Leiden. Der Weg dorthin ist der “Edle Achtfache Pfad“. Dies erfordert: Ethisches Verhalten (u.a. nicht töten, nicht stehlen, nicht beleidigen, nicht sinnlos schwätzen, keine Eifersucht, anderen nicht schaden), Großzügigkeit, Ausdauer bzw. Beharrlichkeit, Konzentration, Meditation und Weisheit.

Im Tibetischen Buch vom Leben und Sterben finden sich auch praktische Hinweise, um Sterbende zu unterstützen: unterstütze Vergebung und Hoffnung, unterstütze eine offene Kommunikation ohne Erwartungen, ermögliche eine spirituelle Begleitung, ermutige zur Wahrheit am Sterbebett, beseitige eigene Ängste, bewege Dich in Richtung Annehmen, beseitige Schmerzen, vermeide zusätzliche Eingriffe, die nicht unbedingt notwendig sind, gehe voller Respekt mit den Habseligkeiten des Patienten um, und versuche eine lange Zeit des Friedens für den Verstorbenen zu ermöglichen. (In Tibet 3 Tage).

Es war sehr beeindruckend fest zustellen, dass diese Grundsätze die Prinzipien der palliativ Care im Westen fast vollkommen ähnlich sind. Auch die Richtlinien für ein gutes Leben scheinen universal zu sein: “Wenn wir auf einen friedvollen Tod hoffen, dann müssen wir in unserem Geist und in unserer Lebensführung den Frieden kultivieren“. (Der 14. Dalai Lama)