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Aufbahrung als Weg. Die etwas andere ART zu gehen 30.03.2017

Im Rahmen der Vortragsserie „Schöne Leiche“ pietätsvoller Umgang mit Toten, konnten die interessierten ZuhörerInnen am Donnerstag 30. März im Rathaussaal Amstetten einen Vortrag der anderen Art genießen.

Der Vortrag mit dem Untertitel: In eine Kiste gepackt… abtransportiert… und weg:  Ein häufiger und normaler Schritt nach dem Eintreten des Todes. Doch was ist schon „normal“ beim Sterben und Abschiednehmen? Darf es auch auf eine andere ART sein? wollte Impulse setzen und Mut geben, für das Einlassen in die eigenen Bedürfnisse im Sterbe- und Trauerprozess eines geliebten, nahestehenden Menschen. Dieses Ziel erreichten Marie-Christin Pülzl (Soz. päd., Psychol. Beraterin i.A.) und Gertrud Gruber (ehem. Intensivschwester, Kunsttherapeutin, ganzheitliche Lebensbegleitung) mit faszinierenden und vor allem sehr authentischen Erfahrungsberichten.

Nach einer schöne Einstimmung mit Musik der Klangschale erzählte Fr. Gruber zuerst über die Aufbahrung eines Freundes in einem offenen Sarg  bei der christlichen Gemeinschaft in Linz. Drei Tage lang war rund um der Uhr jemand beim Verstorbenen anwesend und die Trauergäste konnten jeder Zeit und so lange wie gewünscht, vorbeischauen, Blumen bringen, zusammenkommen und trauern.

Anschließend erzählte ihre Tochter, Fr. Pülzl, über ihre Tochter, Chiara, die mit 4 Jahren zu Hause an einer schweren Muskelerkrankung verstarb. Sie wurde zu Hause aufgebahrt: anfänglich in ihrem eigenen Gitterbett, später in einem Kindersarg. Drei Tage lang konnten Freunde und Familie vorbeikommen. Es gab Zeit und Raum für Schmerz und die Möglichkeit Emotionen zuzulassen und auf diese einzugehen. Auch Kindergarten Freunde von Chiara hatten so Gelegenheit in Ruhe und in würdevoller, angstloser Atmosphäre Abschied zu nehmen. Nach dieser intensiven, aber heilsamen Zeit in Gemeinschaft mit Familie und Freunde, waren die Eltern am vierten Tag innerlich bereit, um den Sarg zu verschließen und hinauszutragen zum Bestatter- Auto.

Der berührende Vortrag wurde abgeschlossen mit Musik von Fr. Eva Deuzer aus Vöcklabruck. Das schmackhafte Buffet gab anschließend noch den Rahmen für viele interessante Gespräche.